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HABICHTSWALDKLINIK
Klinik für Ganzheitsmedizin und Naturheilkunde
Abteilung Innere Medizin und Naturheilkundliche Ambulanz
34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe
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Rheumatische Erkrankungen
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Hilfe bei steifen und
schmerzenden Gelenken
Rheumatische Erkrankungen äußern sich durch
ziehende, reißende oder fließende Schmerzen am Muskel- und Skelettsystem.
Dahinter verbergen sich die verschiedensten Krankheiten. Medizinisch korrekt
heißt es daher: Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Bei den
entzündlichen Formen, wie chronische
Polyarthritis,
Morbus Bechterew oder der
Arthritis bei
Schuppenflechte, handelt es sich meist um ein Autoimmungeschehen,
bei dem Abwehrzellen körpereigenes Gewebe angreifen. Die eigentliche Ursache ist
zwar noch nicht geklärt, trotzdem gibt es erfolgreiche Behandlungsstrategien.
Der enorme Einfluss der
Ernährung auf das rheumatische Geschehen ist nicht nur eine uralte Annahme der
Naturheilkunde, sondern lässt sich seit einiger Zeit auch bis ins Detail
erklären. Die chemischen Zusammenhänge mit Akteuren und Gegenspielern werden im
Kasten unter diesem Text erläutert.
Eine bedeutende Rolle bei
dieser Erkrankung spielen sogenannte freie Radikale. Das sind chemisch
hochreaktive Moleküle, die biologisches Material, wie z. B. Zellmembranen, das
Erbgut (DNS) oder
Fettsäuren, angreifen und schädigen können. Diese aggressiven
Radikale bildet der Körper entweder selbst, um z. B. Krankheitserreger
abzuwehren, oder sie entstehen als Nebenprodukt der Atmung oder durch
Umwelteinflüsse (z. B. Strahlung, Chemikalien, Zigarettenrauch).
Da besonders bei
Entzündungsprozessen vermehrt freie Radikale anfallen, besteht bei
Rheuma mit
seiner chronisch erhöhten Entzündungsaktivität eine besondere Belastung mit
freien Radikalen. Sie sind letztendlich für die Gelenkzerstörungen maßgeblich
mitverantwortlich. Der Organismus verfügt über eine Vielzahl von
Abwehrmechanismen. Eines der wichtigsten Enzyme in diesem Zusammenhang ist die antioxidativ wirksame Glutathionperoxidase, die nur bei guter Selen-Versorgung
in ausreichendem Maß entstehen kann. Im Blut von
Rheumapatienten hat man jedoch
erniedrigte Selen-Werte im Vergleich zu
nicht an
Rheuma Erkrankten gefunden.
Einige klinische Studien
haben ergeben, dass Selen-Gaben bei
Rheuma
tatsächlich zu einer signifikanten
Schmerzreduktion, weniger Morgensteifigkeit und einer Abnahme der
Gelenkschwellungen führen können. Eine Dosis von 100–200 µg täglich wird als
sinnvoll und unschädlich angesehen. Am besten fährt man, wenn die Selentherapie
anhand des Selenspiegels im Blut gesteuert wird. Dabei sollten Patienten mit
Rheuma Selenwerte im oberen Normbereich oder knapp darüber anstreben. Dies ist
mit konventioneller Ernährung praktisch nicht erreichbar. Eine preiswerte und hochdosierte Selentherapie kann beispielsweise mit Cefasel®
300 oder selen-loges®
300 (rezeptpflichtig), jeden zweiten Tag eine Tablette, erreicht werden.
Rheumatische
Erkrankungen - Vitamine E und C dürfen im
Therapieprogramm nicht fehlen
Das andere Antioxidans, dem
hier große Bedeutung beikommt, ist das
Vitamin E.
Um deutliche antioxidative Wirkungen zu erzielen, sind so hohe Mengen
erforderlich, wie sie mit der
Ernährung nicht mehr zu erreichen sind. Eine Gabe
von 800–1200 I.E. täglich sollte über längere Zeit durchgeführt werden. Man
müsste etwa zwei Liter des an
Vitamin E besonders reichen Sonnenblumenöls
verzehren, um in diesen Dosisbereich zu gelangen.
Schädliche Nebenwirkungen
wurden auch bei dieser „Mega-Therapie“ bisher nicht beobachtet. Es gibt eine
Vielzahl von klinischen Studien, die einen Effekt von
Vitamin E bei
entzündlichen Gelenkerkrankungen belegen.
Vitamin E-Präparate sollten keine
synthetisch hergestellten Substanzen enthalten, sondern natürliches
Vitamin E
(Pflanzenöldestillat mit RRR-α-Tocopherol), da dieses vermutlich wesentlich
besser wirkt, so z. B. Mowivit®
1000 (1 x 1), Mowivit®
600 (2 x 1) oder E-Vitamin-ratiopharm®
600 (2 x 1). Die Negativmeldungen über
Vitamin E, die in letzter Zeit in der
Presse auftauchten, sind auf die Nichtbeachtung dieser Tatsache zurückzuführen
(siehe auch: So gefährlich ist
Vitamin E,
Bei
Rheuma kommt es durch
die Entzündung und die vermehrte Freisetzung von freien Radikalen nicht nur zur
einem Mangel an
Vitamin E, sondern auch an
Vitamin C.
Patienten mit
Rheuma haben oft einen erniedrigten
Vitamin C-Spiegel.
Vitamin C
ist außerdem in der Lage, „verbrauchtes
Vitamin E“ wieder zu regenerieren. Beide
Vitamine unterstützen sich gegenseitig. Sie sollten mehrere Gramm täglich (z. B.
3 x 1/4 TL bei Verträglichkeit) zuführen, im Schub gegebenenfalls mehr,
eventuell sogar Infusionen mit 7,5 bis 15 g
Vitamin C.
Rheumatische
Erkrankungen - Auch
Vitamin D unterstützt die
Rheumabehandlung
Neueste Forschungen zeigen,
dass
Vitamin D
nicht nur für den Knochen eine wichtige Rolle spielt, sondern auch in einem
Zusammenhang mit Autoimmunkrankheiten wie
Rheuma
steht. Viele Menschen in
Mitteleuropa haben erniedrigte
Vitamin D-Spiegel, die nicht nur Osteoporose,
sondern auch
Rheuma
begünstigen. Manchmal sind die
Vitamin D-Spiegel sogar trotz
Vitamin D-Einnahme relativ niedrig. Unter
Vitamin D-Kontrollen kann dann die
optimale Dosis herausgefunden werden, die oft weit über der normalerweise
empfohlenen liegt. Eine Dosis von 1000–2000 IE
Vitamin D
ist meist erforderlich,
z. B. Vitamin D3-Hevert®
Tabl. oder Vigantoletten®
1000, einmal 1–2 pro Tag.
Omega-3-Fettsäuren
sind Bestandteile des berühmten Fischöls. Es handelt sich um mehrfach
ungesättigte
Fettsäuren. Sie können von Menschen nicht gebildet werden. Während
die Zufuhr an Linolsäure in der deutschen Bevölkerung als ausreichend angesehen
werden kann, ist die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren keineswegs befriedigend. Das
liegt daran, dass nur wenige Lebensmittel nennenswerte Mengen dieser wichtigen
Fettsäuren
aufweisen:
Fischöl
circa
30 %
Leinöl
58 %
Hanföl
20 %
Rapsöl
10 %
Soja-, Walnuss-,
Weizenkeimöl 5–7 %
Rheumatische
Erkrankungen -
Omega-3-Fettsäuren dämmen die Entzündung erheblich ein
Fische sind umso reicher an
diesen Säuren, je fetter sie sind und je kälter das Wasser ist, in dem sie
aufwachsen. Hering, Makrele, Thunfisch und Lachs eignen sich besonders gut, wenn
man sich eine große Menge dieses Stoffes zuführen möchte, besonders wenn die
Fische im Nordmeer gefangen wurden. Allerdings ist aus ökologischen Gründen vom
häufigen Fischverzehr inzwischen abzuraten. Die Fischbestände sind durch
Überfischung stark dezimiert und die Fische zudem mit Schadstoffen sehr
belastet. Bevorzugen Sie deshalb Fisch aus Bio-Kulturen oder nachhaltigem
Fischfang, erkennbar am MSC-Siegel (siehe auch Naturarzt 10/2006: Mehr
Fisch auf den Tisch?).
Aus diesem Grund sollten wir
zunehmend andere
Fettsäure-Quellen nutzen: Auch einige Pflanzenöle weisen
relevante Mengen davon auf (siehe oben). Die Öle müssen immer kalt gepresst
sein, da gerade die wertvollen Omega-3-Fettsäuren bei Raffinationsprozessen
zerstört werden.
Omega-3-Fettsäuren behindern
die Entstehung sowohl von entzündungsfördernden Prostaglandinen als auch von
Leukotrienen, die mit den Prostaglandinen verwandt sind. Die Zufuhr von 1–2 g
Omega-3-Fettsäuren pro Tag ist in der Lage, die erwünschten Effekte zu erzielen
(siehe Kasten unten). Spürbare Auswirkungen sind allerdings erst nach
einigen Wochen bis Monaten zu erwarten, da die
Fettsäure-Pools im Organismus nur
langsam ausgetauscht werden und es entsprechend lang dauert, bis die Arachidonsäure durch
Omega-3-Fettsäurenn verdrängt wird.
Studien belegen
mittlerweile, dass entzündliche Erkrankungen wie
Rheuma,
Psoriasis oder
chronische Darmentzündungen unter einer
omega-3-fettsäurereichen Diät oder Gabe
von entsprechenden
Nahrungsergänzungen eine Besserung bzw. eine geringere
Rezidivhäufigkeit aufweisen. Bei Eskimos, die natürlicherweise sehr viele
Omega-3-Fettsäuren verzehren, sollen diese Krankheiten fast nicht vorkommen.
Wenn Eskimos aber in die USA oder nach Dänemark emigrieren, gleichen sich die
Erkrankungsraten denen der Einheimischen an. Das beweist, dass nicht genetische,
sondern Umweltfaktoren (in erster Linie wohl
Ernährung) für den Schutz der
Eskimos vor entzündlichen Krankheiten verantwortlich sind.
Für alle hier beschriebenen
Nährstoffe sind günstige Effekte auf entzündliche Erkrankungen wie das
Rheuma
belegt. Da diese Mittel teilweise an unterschiedlichen Punkten im
Arachidonsäure-Stoffwechsel ansetzen, sollte unter einer kombinierten Therapie
(siehe 2. Kasten unter diesem Text) eine enorme Verstärkung der
Entzündungshemmung zu erwarten sein. Hierzu gibt es allerdings noch keine
Studien.
Rheumatische
Erkrankungen - Arachidonsäure mit Pflanzenkost vermeiden
Sinnvollerweise ergänzt eine
überwiegend vegetarische
Ernährung mit weitreichendem Verzicht auf tierische
Fette eine solche Kombinationstherapie. Dadurch wird einerseits die Zufuhr von Arachidonsäure vermindert, so dass das Gleichgewicht noch weiter zu Gunsten der
„entzündungshemmenden Fettsäuren“ verschoben wird. Auch Omega-6-reiche
Pflanzenöle wie Sonnenblumen- oder Distelöl sollten Sie bei
Rheuma eher meiden.
Zum anderen ist bei vegetarischer Kost gleichzeitig eine höhere Zufuhr an
weiteren antioxidativen Nährstoffen besser gewährleistet: in erster Linie
Vitamin A bzw.
Betakarotin und
Vitamin C, aber auch bioaktive, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe,
von denen mittlerweile antioxidative Effekte bekannt sind (z. B. Anthocyane in
der roten Traube).
Rheumatische
Erkrankungen - Besserung sollte bereits nach vier Wochen eintreten
Die Auswirkungen einer
solchen Therapie müssten – bei gleichzeitiger sonstiger antirheumatischer
Medikation – etwa nach vier Wochen subjektiv deutlich spürbar sein. Auch
Entzündungswerte im Blut können sich dann bereits verbessern. Die Effekte werden
in der Regel nach mehreren Monaten bis zu einem Jahr optimal ausgeprägt sein.
Sollten nach etwa drei Monaten keinerlei positive Veränderungen bemerkt werden,
spielen der Arachidonsäure-Stoffwechsel und die freien Radikale hier wohl keine
große Rolle; diese Therapie braucht dann nicht mehr fortgeführt zu werden.
Die Erfahrung zeigt aber,
dass die meisten Patienten mit
Rheuma auf ein solches Programm gut, in
Einzelfällen sogar extrem gut ansprechen. Bei entsprechender subjektiver und
objektiver Besserung können möglicherweise nach und nach die konventionellen
Antirheumatika ausgeschlichen werden. Dies sollte aber immer mit dem
behandelnden Arzt abgesprochen werden, wie auch die gesamte Kombi-Therapie,
besonders die Mengen der jeweiligen Nährstoffe.
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Akteure des
Rheumas und ihre Gegenspieler
Aus Untersuchungen der letzten Jahre wissen wir, dass bestimmte
entzündungsfördernde Botenstoffe im Körper an der Entstehung
beziehungsweise Verstärkung von
Rheuma
beteiligt sind. Diese
Botenstoffe entstehen aus der
Arachidonsäure,
einer mehrfach ungesättigten Fettsäure, die mit der Nahrung
zugeführt oder aus Linolsäure im Organismus selbst gebildet
wird. Generell sind tierische Fette arachidonsäurereich, pflanzliche
Fette arachidonsäurearm. Aus der Arachidonsäure kann eine Vielzahl
von Folgeprodukten gebildet werden (Prostaglandine der Gruppe
2,
Leukotriene) die u. a. Entzündungsaktivität,
Blutgerinnung, Fettstoffwechsel, Wasserhaushalt und Blutdruck
beeinflussen.
Die übliche schulmedizinische Therapie bei
Rheuma
zielt auf die
Hemmung der entzündlichen Aktivität durch
nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
oder Kortisonpräparate ab. Kortison unterdrückt die Synthese von Arachidonsäure aus körpereigenen
Omega-6-Fettsäuren (z. B. der
Linolsäure) und damit auch die Entstehung entzündungsfördernder
Leukotriene und Prostaglandine.
NSAR hemmen die Bildung von Prostaglandin und mindern auf diese Weise die Entzündungsaktivität.
Wenn
Rheumatiker die Zufuhr von Arachidonsäure mit der Nahrung
einschränken würden, bräuchten sie nicht so viele
Medikamente, die
dann verhindern, dass daraus entzündungsfördernde Substanzen
gebildet werden.
Arachidonsäure und ihre
„Gegenspieler“, die
Omega-3-Fettsäuren, können mittlerweile auch im
Blut gemessen werden. Dabei sollte ein Quotient zwischen den entzündungsfördernden Omega-6- und den entzündungshemmenden
Omega-3-Fettsäuren von unter 3,5 angestrebt werden.
(Speziallabore, die
solche Messungen durchführen, sind: Ganzimmun, Hans-Böckler-Str.
109, 55128 Mainz oder Labor Dr. Bayer, Bopserwaldstr. 26, 70184
Stuttgart)
Aus den Zwischenprodukten des Arachidonsäure-Stoffwechsels entstehen
außerdem freie Radikale. Deshalb spielen Antioxidantien in der
Rheumatherapie eine sehr wichtige Rolle, weil sie diese unschädlich
machen |
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►Therapie
bei
Rheuma◄
►Gegebenenfalls
schulmedizinische
Rheuma-Therapie◄
►Vitamin C mindestens 3 x 1 g,
im Schub noch mehr◄
►Selen 100–200
μg,
im Schub 300 μg◄
►Vitamin E 1000–1200 IE◄
►Omega-3-Fettsäuren
mindestens 2 g pro Tag: 6–12 Fischölkapseln oder 2 TL Lein- oder
Hanföl (z. B. auf Pellkartoffeln oder Brot, in Suppe oder Salat)◄
►Vorwiegend vegetarische Kost
unter Verzicht auf Pflanzenöle mit viel Omega-6-Fettsäuren
(Sonnenblumen- und Distelöl)◄
►Viel
Bewegung, ohne Belastung der Gelenke, z. B. mit Radfahren,
Schwimmen, Nordic Walking oder Gymnastik◄
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Dieser Artikel
erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für
die freundliche Genehmigung zum Abdruck.
www.naturarzt-access.de
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
©
Dr. Volker
Schmiedel
Chefarzt der Inneren
Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin
(Univ. Mailand).

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Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur
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notwendigen Laboruntersuchungen können in der Inneren Abteilung der
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August 2010
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